Die Ergebnisse des ÖAMTC-Fahrersitztestes
zeigen deutliche Unterschiede, und zwar sowohl hinsichtlich der
Schutzwirkung gegen ein HWS (Hals-Wirbel-Säule) - Schleudertrauma
als auch hinsichtlich der Sitzfestigkeit.
Das Gesamturteil "sehr gut" erhielt nur
einer der elf getesteten Sitze, der Volvo V 70. Er ist mit dem
"aktiven" Lehnensystem WHIPS (Whiplash Protection System)
ausgestattet. Die besondere Eigenschaft von WHIPS ist ein Scharnier
an der Unterseite der Sitzlehne, das es ermöglicht, dass sich die
Lehne nach hinten bewegt. Dies reduziert die Vorwärtsbeschleunigung
des Rumpfes beim Aufprall und minimiert das Verletzungsrisiko des
Fahrers.
Die Note "gut" erreichten fünf Sitze: Ford
Mondeo, Saab 9-5, Ford Focus, Nissan Almera und VW Golf IV. Ford
Mondeo, Saab 9-5 und Nissan Almera sind mit "aktiven"
Kopfstützensystemen ausgestattet. Die vier "aktiven" Kopfstützen
sind in ihrer Bauweise sehr ähnlich, das Funktionsprinzip ist
gleich: Der Druck auf die Rückenlehne nach dem Aufprall wird über
einen Hebel direkt in eine Vorwärtsbewegung (Kippen) der Kopfstütze
umgesetzt. Das System ist also eine Art Wippe.
"Zufriedenstellend" schnitten zwei Sitze ab:
Opel Astra und BMW 3-er Reihe. Nur der Opel Astra-Sitz ist mit einem
"aktiven" Kopfstützensystem ausgestattet.
Mit dem Urteil "ausreichend" wurden drei
Sitze bewertet: Renault Mégane, Fiat Brava und Mercedes A-Klasse.
Der Mercedes A-Klasse-Sitz fiel durch mangelhafte Schutzwirkung auf
und sollte unbedingt verbessert werden. Renault Mégane und Fiat
Brava zeigen eine nur ausreichende Sitzfestigkeit, sie liegt nur
wenig höher als die gesetzliche Mindestanforderung. Der Fiat Brava
hat außerdem eine nur ausreichende Schutzwirkung.
Der Test machte deutlich, dass es technisch
möglich ist, mit geeigneten "aktiven" Systemen eine sehr hohe
Schutzwirkung beim Heckaufprall zu erreichen, und damit das Risiko
eines HWS-Schleudertraumas deutlich zu reduzieren.
Doch ein "aktives" System allein ist noch
kein Garant für eine gute Schutzwirkung. Sie ist nur gegeben, wenn
der Abstand zwischen Hinterkopf und Kopfstütze nicht zu groß und der
Aktionsweg der Kopfstütze beziehungsweise der Lehne richtig
dimensioniert ist.
Neben der guten Schutzwirkung, die bei einem
leichten Heckaufprall zum Tragen kommt, ist eine ausreichende
Sitzstabilität erforderlich, damit die vorne sitzenden Passagiere
bei einem schweren Heckaufprall in Sitzposition bleiben und die
Passagiere auf den Rücksitzen durch kippende oder brechende
Vordersitze nicht gefährdet sind.
Der Sitz-Test zeigte auch, dass sich die
Schutzwirkung der Kopfstütze verschlechtert, wenn sie falsch
eingestellt ist. Die Kopfstütze des Volvo V 70 ist nicht
verstellbar, eine Fehleinstellung also nicht möglich. Einige Sitze
sind für größere Personen über 1,75 Meter nicht mehr optimal
einstellbar. Die volle Schutzwirkung ist für diesen Personenkreis
nicht mehr gewährleistet.
Ein weiteres Ergebnis des Tests: Ein großer,
horizontaler Abstand zwischen Kopf und Kopfstütze ist unter anderem
für eine hohe HWS - Beanspruchung verantwortlich. Ein gewisser
Abstand ist aber für die notwendige Bewegungsfreiheit des Kopfes
beim Autofahren erforderlich. Die wesentliche Aufgabe einer
"aktiven" Kopfstütze ist es, unmittelbar beim Heckaufprall diesen
Abstand zum richtigen Zeitpunkt zu verkürzen.